Bonhoeffer: Damals - hier und jetzt
Dietrich Bonhoeffer kam am 04. Februar 1906 in Breslau zur Welt. Er war ein deutscher Theologe, bekennender Christ und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Vor 90 Jahren eröffnete Bonhoeffer das Predigersiminar der Bekennenden Kirche auf dem Zingsthof.
Er ist 27 Jahre alt, als Adolf Hitler die Macht in Deutschland ergreift. Die Nationalsozialisten versuchen auch die christliche Kirche unter ihre Ideologie zu zwingen. Am 09. April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg hingerichtet.
Die Bonhoeffer Kapelle auf dem Zingshof, wurde ihm zu Ehren gebaut.
Die drei Quellen seines Denkens und Handelns
Dietrich Bonhoeffer kommt am 4. Februar 1906 in Breslau zur Welt. Er ist ein deutscher Theologe, Pfarrer der Bekennenden Kirche, der sein Leben im Widerstand gegen den Nationalsozialismus einsetzt. Am 9. April 1945 wird er im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.
Sein Denken und Handeln wird zum Einen in der Familie geprägt. Sein Vater, Karl, ist Professor der Psychiatrie und Neurologie und ab 1912 an der Berliner Charité. Seine Mutter, Paula, ist als Lehrerin ausgebildet.
Dietrich hat drei Brüder und vier Schwestern. Zu den Werten der Familie gehören Respekt und Achtung gegenüber anderen, insbesondere Schwächeren. Das Haus der Familie im Berliner Grunewald ist ein offener Ort für Freunde, Feste und den Austausch politischer Ideen.
Die zweite Quelle seines Denkens und Handelns ist die internationale Großfamilie der Ökumene. Freundschaftliche Beziehungen, Verbundenheit der Nationen und die gemeinsame christliche Verantwortung sind für ihn der Schlüssel für eine Zukunft der Welt in Frieden.
Die dritte Quelle ist sein Glaube an Jesus Christus, als dem Menschen für Andere. Nach dem Abitur studiert er Theologie. Im Laufe seines Lebens bewegt ihn stets die Frage, wer Christus heute für uns eigentlich ist.
Ich glaube,
dass Gott aus allem,auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
Ein Pfarrer in der Konspiration
Im Frühjahr 1933 schreibt Dietrich Bonhoeffer in einem Aufsatz mit dem Thema „Die Kirche vor der Judenfrage“ über das Verhältnis der Kirche zum Staat: Sie hat erstens den Staat, der Menschen rechtlos macht, zu warnen, zweitens den Entrechteten beizustehen und drittens dem staatlichen Unrechts-Handeln zu widerstehen.
„Beten und das Gerechte tun und auf Gottes Zeit warten“ – darauf wird es beim Christsein ankommen. Dies schreibt Dietrich Bonhoeffer im Mai 1944 aus der Haft zur Taufe seines Patensohnes Dietrich Bethge.
Schon früh erkennt Bonhoeffer die Ziele der Nationalsozialisten: Sie wollen die Juden vernichten und Krieg führen. „Friede soll sein, weil Christus in der Welt ist“, betont Bonhoeff er im August 1934 in seiner Rede bei der ökumenischen Konferenz auf der dänischen Insel Fanø. Und er wird konkret: „Christen können nicht die Waffen gegeneinander richten, weil sie wissen, dass sie damit die Waffen auf Christus selbst richteten.“
Bonhoeffer weiß von den Kriegsvorbereitungen Hitlers. Er stellt sich mit seinem ganzen Denken und Handeln dagegen. Er will Juden schützen, setzt sich für das Ende des grausamen Krieges ein und wird zum Pazifisten. 1939 lehnt er den Kriegsdienst ab und flieht in die USA. Schon nach 25 Tagen reist er zurück, um „die Prüfungen dieser Zeit“ mit ,seinem Volkʻ zu teilen.
„Widerstand und Ergebung“ - Briefe und Gedichte aus der Haft
Am 5. April 1943 werden Dietrich Bonhoeffer und sein Schwager Hans von Dohnanyi von der Gestapo verhaftet – aufgrund der Rettungsaktion von Juden. Die Gestapo weiß nichts von ihren Putschplänen. Bonhoeffer wird aus seinem Elternhaus in Berlin-Charlottenburg in das Untersuchungsgefängnis der Wehrmacht in Tegel gebracht.
Nach einem halben Jahr gelingt es ihm mit Hilfe eines mutigen Wärters, die Zensur zu umgehen und Briefe mit seiner Familie, seiner Verlobten Maria von Wedemeyer und Eberhard Bethge, seinem vertrauten Freund aus der Zeit auf dem Zingsthof, auszutauschen.
„Widerstand und Ergebung“ nennt Eberhard Bethge 1951 die Ausgabe der Briefe Bonhoeffers aus der Haft über die Zukunft von Religion, Glaube und Kirche. Dazu gehören auch zehn Gedichte – neun von ihnen hat Bonhoeffer in Tegel verfasst.
Dietrich Bonhoeffer heute – Herausforderung und Ermutigung
Das können wir von ihm lernen:
Literatur und andere Medien zur Orientierung
- Eberhard Bethge (Hg..): Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Gütersloh 1998
- Ruth-Alice von Bismarck und Ulrich Kabitz (Hg.): Brautbriefe Zelle 92. Dietrich Bonhoeffer - Maria von Wedemeyer 1943-1945, München 1992
- Eberhard Bethge: Dietrich Bonhoeffer, Theologe ▪ Christ ▪ Zeitgenosse. Eine Biographie, Kaiser 1967
- Wolfgang Huber: Dietrich Bonhoeffer. Auf dem Weg zur Freiheit, München 2019
- Ferdinand Schlingensiepen: Dietrich Bonhoeffer 1906-1945 Biografie, München 2005
- Christiane Tietz: Dietrich Bonhoeffer. Theologe im Widerstand C.H.Beck Wissen, München 2013
- Peter Zimmerling: … und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Dietrich Bonhoeffers Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.
- Bonhoeffer-Portal https://www.dietrich-bonhoeffer.net/
- Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus Marienburger Allee 43, 14055 Berlin, https://www.bonhoeffer-haus-berlin.de